"Den Obdachlosen" gibt es nicht mehr

"WohnWege" vergibt Auszeichnung für Kampf gegen Wohnungslosigkeit / Die Harke gehört zu Preisträgern

Nach der Premiere 2013 hat die Beratungsstelle "WohnWege" des Vereins Herberge zur Heimat Nienburg auch in diesem Jahr wieder Menschen und Institutionen ausgezeichnet, die sich für von Wohnungslosigkeit Bedrohte engagiert haben. Zu den Trägern des Preises "WohnWege 2014" gehören zum zweiten Mal der Verlag Die Harke und Herausgeberin Renate Rumpeltin. Der stellvertretende Chefredakteur Holger Lachnit nahm die Auszeichnung gestern bei der Preisverleihung im Nienburger Rathaus entgegen.


Einen Beitrag in der Harke sei es 1970 gewesen, der die Mitglieder des Vereins Herberge zur Heimat dazu motiviert habe, weiterzumachen, als der Verein kurz vor der Auflösung stand. "Wir haben Ihnen von der Grundlage her viel zu verdanken", sagte Matthias Mente, Leiter der Beratungsstelle "WohnWege", an Lachnit gewand. Mente lobte, dass Die Harke sich des nicht einfachen Themas Wohnungsnot angenommen habe, darüber kritisch berichte und auch einmal einen Finger in die Wunde lege.

Dass der Herbergsverein 2014 sein 110-jähriges Bestehen feiert, nahm Vorstand Roland Rinaldo zum Anlass, einen kurzen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Das erste Haus stand in der Bisquitstraße und diente bis 1970 als Herberge, dann wurde es aus baurechtlichen Gründen abgerissen. 1978 wurde die jetzige Herberge an der Bahnhofstraße gekauft. Seitdem hat sich laut Rinaldo vieles verändert. Gab es früher zum Beispiel noch Schlafräume mit mehreren Betten, seien es heute Einzelzimmer die gängige Praxis.

Sehr deutlich wurde bei der Preisverleihung, dass es "den Obdachlosen" nicht mehr gibt. "Den klassischen umherziehenden Nicht-Sesshaften gibt es kaum noch", sagte Christian Armhorst, Ministerialrat im Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration. Es gäbe aber immer mehr Flüchtlinge, auf die die Strukturen in Deutschland nicht richtig vorbereitet seien. Bettina Mürche, Vorsitzende des Herbergsvereins, betonte, dass heutzutage ganz unterschiedliche Menschen obdachlos würden. Männer und Frauen jeden Alters, die mit sozialen Schwierigkeiten wie Isolation, Aggression, aber auch psychischen Störungen zu kämpfen hätten. Es gibt auch Menschen, die mit aggressiver Grundhaltung Hilfe einfordern, aber nicht bereit sind, etwas dafür zu tun, " gab Mürche zu bedenken.

Gabriele Lösekrug-Möller, parlamentarishce Staatssekretärin der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, lobte den Herbergsverein. "110 Jahre sind eune ganz. ganz lange Zeit füe einen Verein, der in tätiger Nächstenliebe aktiv ist." Der Verein sei mit der Zeit gegangen und habe seinen Anforderungen standgehalten. Lösekrug-Möller kritisierte, dass viele Forderungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe noch nicht erfüllt seien. "Es gibt Themen, bei denen die Bundespolitik gefordert ist", so die parlamentarische Staatssekretärin.

Dazu gehöre unter anderem, dass die Miete bei Hartz IV-Empfängern sanktionsfrei gestellt werde. Bei diesem Punkt stelle Lösekrug-Möller eine Einigung auf bundespolitishcer Ebene in Aussicht. "Als Weihnachtsgeschenk wird das nicht mehr klappen, aber für das kommende Jahr sieht es gut aus", sagte die parlamentarische Staatssekretärin.

Neben der Harke gab es weitere Preisträger: der Nienburger Ortsverband des Deutschen roten Kreuzes, der unter anderem Mittel bereitstellt, damit "WohnWege"-Klienten zu Weihnachten eine kleine Freude gemacht werden kann. Der Gospelchor St. Martin hat ein Benefizkonzert in der St.-Martins-Kirche gegeben, Schüler des Johann-Beckmann-Gymnasiums in Hoya haben bei einem Sponsorenlauf 4200 Euro erlaufen - "Die größte Spende, die "WohnWege" je bekommen hat", freute sich Mente.

Ausgezeichnet wurden zudem Wolfgang Kopf, Sprecher des Arbeitskreises "Stoppt Energiesperren"; Rechtsanwalt Henning Meyer, der sich der Probleme von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen annimmt und die Volksbank Nienburgm die dem Herbergsverein ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt hat.

Quelle: Die Harke vom 09. Dezember 2014